Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann,

mit Verwunderung habe ich zur Kenntnis genommen, dass Sie die Möglichkeit von Abholangeboten des Einzelhandels ablehnen. Ich bitte Sie – auch im Namen des CDU-Kreisverbandes Tuttlingen – Ihre ablehnende Haltung nochmals zu überdenken.
Wir anerkennen, dass die Landesregierung bei der Bewältigung der Corona-Pandemie sehr verantwortungsvoll handelt. Wir sind einig, dass in den kommenden Wochen große Anstrengungen gemacht werden müssen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen.
Es wird aber auch eine Zeit nach dem Virus geben und wir bitten Sie, alles dafür zu tun, dass die Pandemie nicht mehr Verlierer produziert, als unbedingt notwendig. In diesem Zusammenhang machen wir uns große Sorgen um den Einzelhandel vor Ort. Um unsere Innenstädte, die bereits vor der Pandemie durch die Konkurrenz des Versandhandels vor großen, ja teilweise sogar existenzbedrohenden Herausforderungen gestanden sind.
Wenn wir nach Corona wieder in lebendigen Innenstädten bummeln wollen, dann müssen wir unsere Einzelhändler zumindest mit den Möglichkeiten unterstützen, die uns in dieser schwierigen Zeit noch verbleiben. Deshalb fordere ich Sie auf, die Möglichkeit des Click&Collect zuzulassen.
Weshalb soll es gefährlicher sein, in der Postfiliale anzustehen, als beim Schuhgeschäft? Zumal die Einzelhändler bereit sind, mit Abholkorridoren von morgens bis in die Abendstunden alles dafür zu tun, dass es zu keinen Menschenansammlungen kommt. Die Fußgängerzonen und Einkaufsstraßen von Tuttlingen, Trossingen und Spaichingen werden durch Abholmöglichkeiten nicht zu Hotspots. Genauso wenig wie die Einkaufsstraßen der meisten Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg. Aber sie werden nach Corona sicher deutlich eintöniger, weil sich die kleinen, feinen, inhabergeführten Geschäfte, die es überhaupt noch gibt, nicht über die Pandemie werden retten können.
Treiben wir diejenigen, die bereit sind, lokal zu kaufen, den Versandriesen wie Amazon, Zalando und Co. nicht noch in die offenen Arme. Diese Konzerne werden nicht diejenigen sein, die das öffentliche, kulturelle und sportliche Leben in unseren Städten und Gemeinden nach der Pandemie unterstützen.
Auch die unterschiedliche Handhabung von Click&Collect in den einzelnen Bundesländern steigert die Akzeptanz der Corona-Maßnahmen nicht. Warum ist beispielsweise in Baden-Württemberg verboten, was in Rheinland-Pfalz erlaubt ist?
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, lenken Sie ein und erlauben Sie es unserem Einzelhandel, Abholmöglichkeiten zu schaffen. Die Pandemie braucht nicht noch mehr Verlierer, als es ohnehin schon gibt.
Mit besten Grüßen
Maria-Lena Weiss Hermann Früh

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