CDU-Seniorenunion KV TUT - Vortrag in Gnadenweiler im "Kapellenblick"

(Fr. 12.11.2021 Franz Dreher)
BÄRENTHAL - GNADENWEILER – pm – Volker Kauder zeigte sich bei der CDU-Seniorenunion (SU) im „Kapellenblick“ von seiner altgewohnten kämpferischen Seite. Der langjährige enge Vertraute der scheidenden Kanzlerin ließ keinerlei Resignation erkennen, obwohl ihn seine Fraktionskollegen ziemlich schäbig abserviert hatten, weil er in der Flüchtlingskrise den Merkelkurs unterstützt hatte. Aber Kauder ist eben mit seiner vom christlichen Menschenbild geprägten Grundeinstellung seinem Gewissen treu geblieben. Und weil seine Familie selbst nach dem Zweiten Weltkrieg die Heimat verlassen musste, betrachtet der ehemalige MdB und langjährige Chef der gemeinsamen Unionsfraktion die Schicksale von Emigranten, weniger von der populistischen und wahltaktischen Seite her, sondern zuerst aus der mitmenschlichen Perspektive.
Mahnung an die Impfverweigerer
So erlebten die Besucher seiner Buchvorstellung „Das hohe C“ einen Politikrentner, der mit sich und seinem Gewissen offensichtlich im Reinen ist. Rhetorisch geschliffen arbeitete sich Kauder am Zustand seiner Partei ab. „Was bedeutet eigentlich das Leitbild der C-Partei, wenn wir das selbst nicht mehr wissen? Geht es uns wie der SPD, welche sich von der sozialen Linie entfernt hat“, fragte der frühere Sozialdezernent des Tuttlinger Landratsamtes. Ehemals habe seine Partei klare Vorstellungen besessen, was sie anbieten wollte, nämlich das christliche Menschenbild. Natürlich sei die CDU keine Kirche, sondern eine politische Partei der „christlichen Demokraten“, wie Heiner Geißler ihm eindringlich beigebracht habe. Viele Parteikollegen meinten heute, dass man mit dem „C“ nicht mehr punkten könne, zumal die Kirchen arg in Misskredit geraten seien. Aber deshalb könne man doch nicht gleich vom Glauben abfallen. Sogar der Atheist Gregor Gysi vertrete die Ansicht, dass ein Land unregierbar werde, wenn es seinen moralischen Kompass verliere. In diesem Zusammenhang zitierte er eine Studie, wonach 80 Prozent der Jugendlichen keinerlei Interesse an der Kirche mehr haben. Trotz allen Dekadenzerscheinungen ist es Kauder stets wichtig, den wahren Menschen so anzunehmen, wie er hier steht, unabhängig von seiner Rasse, Religion oder seinem sozialen Stand. Folglich hat er bei Auslandsreisen im Gefolge der Kanzlerin immer wieder in Ländern wie Ägypten oder China unerschrocken für die Religionsfreiheit und gegen die Christenverfolgung gekämpft. Mit Nachdruck spricht sich Kauder grundsätzlich gegen das an den Pranger stellen von Menschen aus, welche nicht dem allgemeinen Trend nachlaufen. Klar ist auch seine Position zur Impfquote: Zwei Drittel der Patienten auf den Intensivstationen seien nicht geimpfte Personen, welche die knappen Plätze belegen und somit andere Intensivkranke gefährden. Die christliche Nächstenliebe verbietet so ein Verhalten, schreibt der Autor den Querdenkern mit Nachdruck in ihr Gewissen.
Den von seiner Partei in der Vergangenheit lange Zeit vergessenen alttestamentarischen Bibelspruch „macht euch die Erde untertan“ interpretiert Kauder dahin gehend, dass damit zuerst die Bewahrung der Schöpfung gemeint sei. Dazu gehöre nicht nur der Mensch und die Kreatur, sondern die gesamte Natur und somit der Klimaschutz. Er räumt ein, dass wir hier zu wenig getan hätten. Allerdings sieht Kauder vorrangig die Technik in der Pflicht, wobei die Politik sagen müsse, was an Schadstoffen herauskommen darf. Der neu gewählte SU-Kreisvorsitzende Georg Zindeler identifizierte sich mit den Wertvorstellungen des Redners zum christlichen Menschenbild voll und ganz.
Der Initiator der Buchvorstellung, Walter Kümmerlen, dankte nicht nur dem engagierten Autor, sondern erinnerte auch an die Verdienste des verstorbenen SU-Vorsitzenden Roland Ströbele und von Pater Notker am Aufbau der Kapelle Gnadenweiler.
BU: Der SU-Vorsitzende Georg Zindeler, Autor Volker Kauder, Organisator Walter Kümmerlen und Pater Notker (von links).

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